Veränderung und Chance

Sonntag, 25. Mai 2014

Text von Daniel Davis Wood. Übersetzung von Theresa Bach.

Auf dem Weg Richtung Schuljahresende hat der Internatsleiter Michael Schreier die gestrige Andacht genutzt, um einige Gedanken zu den Themen Veränderung und Chance weiterzugeben. Michaels Andacht war eine Art Geschenk vor allem an diejenigen SchülerInnen, die nur noch einige Wochen an der Ecole sein werden.

Michael stellte eine Anekdote aus seinem eigenen Leben an den Anfang: Als er 22 Jahre alt war und in einem Orchester spielte, wurde ihm eines Tages die Gelegenheit geboten, während der nächsten Aufführung ein Solo mit dem Waldhorn zu spielen. Michael erinnerte sich daran, wie bange ihm dabei war, dieser Herausforderung zu begegnen – davor, etwas anderes zu tun als gewöhnlich und seine Talente vor einem grossen Publikum zu präsentieren. Gleichzeitig staunte er über die Möglichkeit, etwas Neues zu tun. So kann eine grosse Veränderung im Leben zwar eine beunruhigende Erfahrung sein, gleichzeitig aber auch unerwarteten Lohn bringen, wenn man sich dafür öffnet.

Michael illustrierte diesen Punkt, indem er den Zuhörern von Bunker Roy erzählte, dem Gründer des "Barefoot College" in Indien. Wie Roy in einem "TED Talk" über seine pädagogische Inititative berichtet, ist es ihm gelungen, etwas Bedeutungsvolles in seinem zu tun – nämlich Bildung und Training in die ländlichen, armen Gegenden Indiens zu bringen. Diese Gelegenheit ergab sich aber erst, als er seinem Herzen folgte und sich von einigen anderen Dingen löste, von denen er angenommen hatte, dass sie in seinem Leben eine Rolle spielen würden.

Mit Roys Geschichte vermittelte Michael die Botschaft, dass Abenteuerlust und Improvisation für Menschen sehr wichtig sind, um auch unerwartete Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und sich diesen auszusetzen.

Um zu seinem Interesse an Musik zurückzukehren, beendete Michael die Andacht mit der Aufnahme eines Panflötenstückes, welches er ein Jahrzehnt zuvor selbst gespielt hat – komplett improvisiert und von einer Orgel begleitet.

Die Jugendlichen, die die Ecole am Ende des Trimesters verlassen werden, wissen natürlich noch nicht, was ihren in ihrem Leben begegnen wird. Aber mit Michaels Worten im Hinterkopf werden sie die Ecole hoffentlich mit dem Willen verlassen, einige unwahrscheinliche, aber erfüllende Wege zu entdecken.

zurück