Shakespeare 2014: Romeo und Julia

Sonntag, 30. März 2014

Text von Daniel Davis Wood. Übersetzung von Theresa Bach.

Nach dem tragischen, letzten Akt von Shakespeares Romeo und Julia bebte der Grosse Saal letzte Nacht vom Applaus der mehr als 150 Zuschauer, als die erste von zwei Aufführungen endete. Die alljährliche Inszenierung eines Stückes von William Shakespeare ist eine der grössten Veranstaltungen des Ecole-Kalenders – mehr als 30 SchülerInnen und MitarbeiterInnen haben sich dieses Jahr eingebracht. Mit Romeo und Julia wurde das berühmteste Stück von Shakespeare zum Leben erweckt – das erste Mal seit Jahren. Spektakuläre Kampfszenen, packende Live-Musik und eine herzergreifende Liebesgeschichte, die durch Eitelkeit und Rache vereitelt wird, warteten auf das Publikum.

    Zwei Häuser, gleich an Würde und Gebot …
    … in welchem die böse Seuche herrschte.

Obwohl Shakespeares Stück von einem Konflikt zwischen zwei Häusern, „gleich an Würde und Gebot“ spricht, liess unsere Inszenierung diesen Satz ironisch erscheinen, indem die Unterschiede zwischen Capulets und Montagues übertrieben dargestellt wurden: Verona als eine Gesellschaft kurz vor dem Verfall – eine Gesellschaft, deren geringste Mitglieder – inklusive der Montagues – auf der Stasse leben, bedrängt von Armut und der Pest. Währenddessen beuten die etwas linkischen und masslos reichen Capulets diese Unterschicht mit Hilfe des diktatorischen Escalus aus.

Als Shakespeares Liebespaar im Geheimen zusammentrifft, entsteht eine Brücke zwischen diesen beiden, sich bekriegenden Familien. Die Geschichte ihrer Liebe wird eingerahmt von einem Refrain, der von Landstreichern und Drogendealern erzählt wird. Ihre Texte sind anderen Werken Shakespeares entnommen und illustrieren die Zersplitterung der Welt um Romeo und Julia herum.

„Romeos Begegnung mit dem Apotheker, der Drogen handelt, weist auf die Armut einer Gesellschaft hin, wo jene, denen es schlecht geht, auf den Strassen zurückgelassen werden um „zu hängen, zu betteln oder zu verhungern“. In dieser Welt sind nur Menschen von nobler Herkunft von Bedeutung – die anderen werden behandelt wie Gegenstände.“ sagt Melissa Bagg, die Regisseurin. Um die sozioökonomischen Unterschiede zwischen den Montagues und den Capulets deutlich zu machen, war der Grosse Saal in zwei Bereiche geteilt: Während die Montagues eingeengt auf einer kleinen Bühne voller Müll sassen, genossen die Capulets die Geräumigkeit und den Luxus ihrer palastartigen Villa – mitsamt einem Kronleuchter aus Knochen.

In den Hauptrollen waren Michael Stampfli und Kylie Zimmer als Romeo und Julia zu sehen – beide hatten bereits in früheren Inszenierungen mitgewirkt. Die vollständige Besetzung kann dem Programm (PDF) entnommen werden. Fotos der Aufführung sind in der Galerie zu finden.

Dateien

Shakespeare Program.pdf

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