Das Outdoor-Programm, Teil 4: Skitouren

Mittwoch, 20. November 2013

Text von Daniel Davis Wood. Übersetzung von Theresa Bach.

Skitouren-Kurse eröffnen SchülerInnen an der Ecole die unglaubliche Möglichkeit, den Hasliberg und dessen Umgebung im Winter zu entdecken. Sie gehen in das schneebedeckte Umland, legen an einem Nachmittag weite Strecken auf Ski zurück, steigen mit Fellen an den Ski Berge hinauf und geniessen lange Abfahrten durch frischen, unberührten Pulverschnee den Berg hinunter. Skitouren-Angebote werden durch das Outdoor-Programm der Ecole organisiert und sind eine der Outdoor-Aktivitäten, die wir genauer beleuchten wollen – zusammen mit Michel Raab, dem Verantwortlichen für Outdoor-Programm und Risikomanagement und Martin Gutmann, einem unserer internen Skitouren-Leiter.


 

 
Skitouren 2013, 2012, und 2011.
 
Video footage from skitouring in Turtmanntal in 2012.
 

Zwei bis drei Skitouren-Kurse finden jeden Winter statt – für gewöhnlich Dienstags, Mittwochs und Donnerstags. Zwischen 20 und 40 SchülerInnen nehmen an diesen Kursen Teil. Für viele Jugendliche gehören solche Skitouren-Erlebnisse zu den Höhepunkten des Wintertrimesters.

Und wie sieht eine typische Skitouren-Wanderung aus? "Der Tag beginnt wie jeder andere im März." sagt Martin. "Frühstück gibt es um sieben Uhr, gefolgt von Putzpause und drei Morgenkursen. Aber dann – wenn die anderen Jugendlichen in den Esssaal gehen – treffen sich alle Beteiligten im Materialraum. Mit einem Sandwich in der Hand packt Jeder und Jede schnell einen Rucksack mit Fellen, Steigeisen, Kompflampe und Ausrüstung zur Lawinenrettung etc. Alle greifen ein Paar der Black Diamond Touren-Ski und schon geht die Gruppe auf den Bus."

Noch während im Esssaal das Mittagessen läuft, beginnt die Gruppe ihren Aufstieg auf das Rothorn. "Der Aufstieg ist lang und schwierig." sagt Martin. "Nach einer Stunde mit Ski und Fellen an den Füssen – oder bei den Snowboardern mit Schneeschuhen – schnallen alle TeilnehmerInnen ihre Ausrüstung an die Rucksäcke und gehen einen engen, schneebedeckten Grat Richtung Gipfel. Nachdem sie das überwältigende Panorama eingesogen haben und die Häuser der Ecole weit unten entdeckt, beginnt die Gruppe mit dem Abstieg – eine Abfahrt durch eine lange und steile Felsrinne, die mit frischem Pulverschnee gefüllt ist. Unten kommen alle mit brennenden Beinen und pochendem Herzen an und sind stolz auf das, was sie gerade gemeistert haben."

"Das Leiten ist herausfordernd.", sagt Michel. "Wir müssen eine gute Balance zwischen Lehren und Leiten finden, damit alle SchülerInnen die notwendigen Fähigkeiten lernen. Die verschiedenen Bedürfnisse und Lernstile der zwölf Jugendlichen müssen wir dabei in Betracht ziehen, und das in einem anspruchsvollen Gelände. Manchmal müssen die Jugendlichen direkten Anweisungen auch einfach folgen, weil sie nicht genug über Lawinen, Gelände oder Wetter wissen, und wir es uns nicht leisten können, diese Themen in aller Tiefe zu behandeln. Das wäre nur mit mehr Zeit und einer erfahrenen Hörerschaft möglich."

Im ersten Kurs verbringen wir trotzdem viel Zeit damit, Wissen über Lawinenrettung zu vermitteln und Lawinenübungen durchzuführen. Nach einem halben Trimester wiederholen wir diese Themen. An Skitechniken abseits der Piste arbeiten wir vor Ort – hier haben auch Gelände und Route einen Einfluss auf das, was gelehrt wird. "Abgesehen von den wunderbaren Abfahrten an einem Skitouren-Tag" sagt Martin, "stärkt dieser Sport auch Ausdauer, Konzentration und gibt mentale Stärke. Für einige SchülerInnen, die akademisch oder sozial Mühe hatten, waren Skitouren-Kurse die Rettung: Durch diese Erfahrungen – körperlich oder mental sehr intensiv – waren sie motiviert an der Ecole d'Humanité zu bleiben, sich zu öffnen und zu wachsen."

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