Das Outdoor-Programm, Teil 2: Klettern

Mittwoch, 06. November 2013

Text von Daniel Davis Wood. Übersetzung von Theresa Bach.

Die Kletterkurse an der Ecole bieten Jugendlichen eine körperliche und mentale Herausforderung, die Spass macht. Abgesehen davon, dass sie mit den jeweiligen Kursinhalten vertraut werden, lernen die Teilnehmenden Verantwortung zu übernehmen und ihren MitschülerInnen zu vertrauen. Kletterkurse werden durch das Outdoor-Programm der Ecole angeboten, und sind eine von vier Aktivitäten, die genauer vorstellen möchten, zusammen mit Michel Raab, dem Leiter des Outdoor-Programmes und Verantwortlichen für Risikomanagement.

Ecole d'Humanité Klettern, 2011.

Momentan gibt es drei Kletterkurse, die an der Ecole d’Humanité angeboten warden und mehr als 30 Jugendliche nehmen dieses Angebot wahr. Alle Kurse warden sowohl von Jungen als auch Mädchen besucht. “Die ersten 30 Minuten eines Kurses verbringen wir jeweils damit, Klettertechniken zu wiederholen oder uns mit einem Aspekt des Sicherns, des Vorstieges oder des Risikomanagements zu beschäftigen,” sagt Michel. “Ein grosser Teil des Unterrichtens besteht für uns darin, den Teilnehmenden sofort direktes Feedback zu geben – das heisst, ihnen während des Kletterns Hinweise zu geben und sie zu korrigieren, wenn sie Fehler machen oder Sicherungstechniken nicht korrekt ausführen.”

Helena Gates aus Albuquerque, New Mexiko, nimmt seit ihrer Ankunft an der Ecole vor drei Jahren an Kletterkursen Teil. “Eines der Erlebnisse aus den letzten Jahren, an die ich mich besonders gern erinnere, ist die Hochtouren-Wanderung 2013”, sagt sie und bezieht sich damit auf eine mehrtägige Wanderung, auf der die Jugendlichen die Chance bekommen, die Klettertechniken, die sie in Kletterkursen erlernt haben, in der Natur anzuwenden. “Es war eine belebende Erfahrung, spektakuläre Bergrücken zu erklettern und auf Gletschern zu wandern. Nicht viele Menschen in meinem Alter können von sich behaupten, dass sie mit zehn ihrer besten Freunde vier Tage durch die Schweizer Alpen gewandert sind.”

SchülerInnen wie Helena “lernen, Herausforderungen anzunehmen und Ängste zu bezwingen; sie lernen, auch in ausgesetztem Gelände ruhig und gefasst zu”, sagt Michel. “Um an der Hochtouren-Wanderung teilnehmen zu können, müssen die Jugendlichen zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen und die direkten Anweisungen eines Leiters befolgen können. Zur Zeit,” fügt Michel an, “ist es eine unserer grössten Aufgaben, die neue Generation an SchülerInnen, die am Outdoor-Programm teilnimmt, zu schulen – ihnen ein Gefühl dafür zu geben, ihre Fähigkeiten richtig einzuschätzen, kritisch zu denken und ihnen Sicherheitsgewohnheiten beizubringen. Dies tun wir, indem wir eine Balance aus Instruktion und Leitung versuchen herzustellen und indem wir unsere Lehrmethoden den unterschiedlichen Lerntypen beziehungsweise Bedürfnissen der Jugendlichen anpassen."

“Als ich an die Ecole d’Humanité gekommen bin”, sagt Helena, “war ich 15 Jahre alt. Meine Lieblingsbeschäftigung war es, mit meinen Freunden zu texten. Ich hasste es, draussen zu sein. Nach drei Jahren kann ich ehrlich sagen, dass ich mich in diesem Bereich stark entwickelt habe. Ich erinnere mich daran, wie mir ein älterer Schüler an meinem ersten Tag an der Ecole erzählt, dass die Ecole sein zuhause geworden sei. Damals fiel mir nur auf, wie absurd das klingt, aber wenn ich heute zurückschaue, geht es mir genauso. Ich bin glücklich, dass ich auch ausserhalb des Klassenzimmers neue Dinge entdecken kann, Ich denke, dass Leute es heutzutage leicht vergessen, nach obenzu schauen und die Umgebung um sie herum zu geniessen. Es gelingt der Ecole aussergewöhnlich gut, akademische Ausbildung mit physischer auszugleichen und hebt sich besonders durch sein Outdoor-Programm von anderen Schulen ab. SchülerInnen werden ermutigt, von aufzustehen und die Natur zu geniessen. Das ist es, was diesen Ort so speziell macht.”

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