Das Outdoor-Programm, Teil 1: Bergrettung, Klettern und Bergsteigen

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Text von Daniel Davis Wood. Übersetzung von Theresa Bach.

Kurse über Bergrettungs- und Klettertechniken sind nur eines von vielen Angeboten, die vom Outdoor-Programm der Ecole d'Humanité angeboten werden. Solche Kurse gehören für gewöhnlich zu den spannendsten und beliebtesten unserer Schule. Aber was genau beinhalten sie und wie werden sie vom Outdoor-Programm organisiert – sowohl bezüglich der Vermittlung von Fähigkeiten als auch der Gewährleistung der Sicherheit? Jeden Mittwoch werden wir – verteilt über die nächsten vier Wochen – einen näheren Blick auf verschiedene Angebote des Outdoor-Programmes werfen, zusammen mit Michel Raab, dem dafür zuständigen Leiter und Verantwortlichen für Risikomanagement.

Diese Woche findet an der Ecole die Intensivwoche statt. Anstatt der üblichen Kurse widmen sich die SchülerInnen einem Projekt aus dem nicht akademischen Bereich. Während dieser vier Tage leitet Michel einen Kurs zu Bergrettungs- und Klettertechniken. "Bergrettungs- und Klettertechniken ist ein Kurs, der speziell für SchülerInnen gemacht ist, die gerade erst mit dem Klettern am Fels beginnen", sagt Michel. "Sie lernen über Funktionen und Pflege des Materials, sowie grundlegende Fähigkeiten, sich selbst und ihre Kletterpartner zu retten. Die ersten zwei Tage verbringen die Jugendlichen in der Kletterhalle, wo sie über Klettertechniken lernen und ihre Fähigkeiten im Sichern und Vorstieg auffrischen." Sie lernen unter anderem Knoten zu binden, eine Sicherung zu verlassen, die Last auf einen Anker zu verlagern und Lasten zu heben, indem sie die Vorteile von Flaschenzugsystemen nutzen. "Während der letzten zwei Tage", sagt Michel, "werden die Jugendichen auch bouldern, um ihre Koordination, Kraft und Ausdauer zu trainieren und um zwischen Einheiten im Bouldern und Sportklettern zu wechseln. Sie lernen über die drei Phasen einer Kletterbewegung – Vorbereitung, Traktion und Stabilisation – um ihre Wahrnehmung zu schulen, Routen lesen zu lernen und ihre Körper effizienter einsetzen zu können. Jeder Tag beginnt mit verschiedenen Dehnübungen – speziell fürs Klettern – und einem Briefing, um bestimmte Ziele für den Tag festzulegen, so dass die SchülerInnen an konkreten Techniken arbeiten können."

Wie auch letztes Jahr sind diese Kurse in der Intensivwoche auf eine Grösse von 6 SchülerInnen beschränkt. Weitere Jugendliche werden über das Jahr verteilt ähnliche Kurse des Outdoor-Programmes besuchen. Zwischen 35 und 45 SchülerInnen nehmen beispielsweise an einem der vier Kletterkurse teil, die sowohl im Herbst- als auch im Sommertrimester angeboten werden. Etwa 25 bis 35 Jugendliche besuchen einen der drei Skitouren-Kurse im Wintertrimester.

Was lernen Jugendliche in dieser Art von Unterricht noch? "Weil unsere SchülerInnen in der Regel noch sehr jung sind, wenn sie Outdoorkompetenzen erwerben", sagt Michel, "ist es das Ziel unserer Kurse, Freude zu vermitteln und die Teilnehmenden gleichzeitig mit den Grundlagen vertraut zu machen. Wir können nicht mit allen Themen in die Tiefe gehen, aber wir gewährleisten, dass unsere SchülerInnen genug lernen, um unter unserer Anleitung sicher klettern zu können. Die Seilsysteme, welche wir während der Intensivwoche benutzen, können beispielsweise sehr einfach aussehen, sind aber komplex in ihrer Handhabung und Jugendliche vergessen mitunter, was sie darüber gelernt haben. Aus diesem Grund", sagt Michel, "überprüfen wir die Systeme unserer SchülerInnen ständig und erinnern sie an die Gewohnheiten und Techniken zur Sicherung, die wir ihnen beibringen. Wir müssen ausserdem vorsichtig sein, weil Outdoor-Aktivitäten ein hohes Mass an Begeisterung, Freude oder Angst freisetzen können – manchmal verlieren Jugendliche dann sehr schnell ihre Aufmerksamkeit, werden müde, hungrig, durstig oder frieren. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass einige SchülerInnen ungeduldig werden oder voller Energie stecken können – darum müssen wir sie bremsen, um Verletzungen vorzubeugen oder zu verhindern, dass sie sich von der Gruppe entfernen. Wir beaufsichtigen jede Person sehr sorgfältig und gewährleisten, dass SchülerInnen aller Niveaus und Fähigkeiten neue Techniken lernen und diese sicher in der Praxis umsetzen können."

Viele Jugendliche, die am Outdoor-Programm teilnehmen, finden die angebotenen Aktivitäten spannend und lohnenswert. "Ich kann mir die Ecole ohne das Outdoor-Programm nicht vorstellen", sagt Jesse Clements aus Boston – eine Neuntklässlerin im Amerikanischen Programm. "Die Möglichkeit zu haben, diese wundervollen Berge zu nutzen ist etwas, das ich an der Ecole sehr mag. An der Ecole habe ich gelernt, das Klettern, Skifahren und Wandern zu lieben. Ein Leben ohne diese Sportarten kann ich mir kaum mehr vorstellen."

Das Outdoor Program gibt SchülerInnen auch die Möglichkeit zu sehen, wie verantwortlich sich Outdoor-Profis verhalten, wenn sie an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen, die ein gewisses Mass an Risiko beinhalten. "Unser Sicherheitskonzept", sagt Michel, "sieht vor, dass alle unsere LehrerInnen entweder qualifizierte BerführerInnen sind oder von Jugend und Sport im Bereich Skitouren, Klettern oder Alpinklettern zertifiziert wurden. Diese Vorgabe gewährleistet ein gewisses Mass an Ausbildung und Kompetenz unserer LehrerInnen und hilft uns, unser Programm an Schweizer Standards auszurichten. Insgesamt sind fünf unserer internen MitarbeiterInnen von Jugend und Sport zertifiziert; weiterhin arbeiten wir mit LeiterInnen von ausserhalb – wie beispielsweise Lukas Iten, einem Bergführer, der selbst Ecole-Schüler war."

Momentan setzt sich das Outdoor-Programm aus sechs Komponenten zusammen:

  • Betreuung der Wanderkommission, die verschiedene Tageswanderungen organisiert, sowie die 4-Tage- und 6-Tage-Wanderungen im Herbst- und Sommertrimester
  • Organisation der Kletterkurse im Herbst- und Sommertrimester
  • Organisation der Skitouren-Kurse im Wintertrimester; teilweise auch im Sommertrimester
  • Angebot von Kursen in der Intensivwoche (beispielsweise Bergrettungs- und Klettertechniken)
  • Organisation und Betreuung von speziellen Wanderungen mit gewissen Risiken und Anforderungen an die Ausrüstung (beispielsweise die Hochtouren-Wanderung im Herbsttrimester oder die Skitouren-Wanderung im Sommertrimester)
  • Unterstützung der Skikommission, welche die Skitage im Winter organisiert, durch Ausgabe und Pflege der Freeride-Kits (LVS, Sonden, Schaufeln), obwohl Ski- und Snowboard-Angebote nicht vom Outdoor-Programm organisiert werden

Nächsten Mittwoch werden wir einen Blick auf die Kletterkurse werfen, die vom Outdoor-Programm organisiert werden und hören, was SchülerInnen darüber sagen.

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