Der Wert des Wanderns

Montag, 17. Juni 2019

Schmerzhafte Knie, Füße, Schultern, Rücken. Blasen, Schmerzen, Sonnenbrand, Schweiß, Muskeln, die sich anstrengen, um Schritte zu machen, über die wir normalerweise nicht zweimal nachdenken würden. Alles ist zu sonnig, schmutzig, salzig, nass. Die nächste Dusche wird erst in fünf Tagen sein. Warum wandern wir?

Für mich sind die Wanderungen der Eckpfeiler des Ecole-Lebens, nicht trotz, sondern gerade wegen der Schwierigkeiten, Unannehmlichkeiten und Lernerfahrungen, die sie bereiten. Wir verbringen 24 Stunden am Tag mit unseren Gruppen von 12 bis 14 Personen und lernen, mit ihren Fehlern und schwierigeren Eigenschaften umzugehen, aber auch in ihren Witzen, Macken, Freundlichkeiten und Freuden zu schwelgen. Wir sehen ganz klar, dass wenn das Feuer nicht angezündet wird, das Abendessen nicht gekocht wird oder, wenn das Wasser nicht aufgefüllt wird, wir alle darunter leiden werden. Wir sind oft zu müde, um uns darum zu kümmern, wie wir aussehen, wie wir uns präsentieren sollten, um andere zu beeindrucken, oder uns dafür zu interessieren, wer mit wem befreundet ist. Obwohl Menschen immer mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten wandern möchten und eines oder zwei oft Schwierigkeiten damit haben, die langsamsten Mitglieder der Gruppe zu sein, lernen wir, diese Menschen zu unterstützen, anstatt sie zu geißeln, da unser Erfolg von ihrem Erfolg abhängt. Echte, tiefe Interaktionen werden zur Norm.

Und dann gibt es natürlich die Natur. Ich muss niemandem die erstaunliche, beeindruckende Schönheit der Berge erklären, in denen wir jeden Tag hier in Hasliberg Goldern leben. Aber während wir wandern, werden wir immer mit neuen, spektakulären Landschaften konfrontiert, die irgendwie noch atemberaubender, dramatischer und weitläufiger wirken. Wie mir meine Schwester einmal sagte, als wir am Heiligabend mit Schneeschuhen auf den Gibel hochstiegen: "Die Aussicht ist wirklich anders, wenn man sie sich verdient hat."

Ein Teil dieses Unterschieds ergibt sich aus der sehr viszeralen Darstellung von Anstrengung und Belohnung, die das Wandern bietet. Wir spüren die Arbeit, die wir körperlich geleistet haben, überall in unserem Körper und wir sehen die Belohnung direkt vor uns, in allen Richtungen, wo sich schimmernde Berge und Grade in der unendlichen, verschwommenen Entfernung hintereinander stapeln.

Als Menschen zweifeln wir oft daran, ob wir das, was uns gegeben wurde oder was wir erreicht haben, wirklich verdient haben. Aber wie Sarah mir auf der Vier-Tages-Wanderung in diesem Jahr sagte: "Wenn wir wandern, können wir uns nicht selbst austricksen. Wenn wir oben ankommen, wissen wir, dass wir es selber geschafft haben." Niemand hat uns getragen. Es gibt keinen Raum für Selbstzweifel. Und das Gefühl der Befreiung, welche diese Erkenntnis hervorruft, macht all den Schmerz, Schweiß und Schmutz mehr als wieder gut.

Foto: Yazdian
Text: Josh Curtis, Mitarbeiter

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