L’invitation au voyage – Die Einladung zur Reise | On Tour!

Montag, 20. Februar 2017

Text: Rona Liechti
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Nachdem im Dezember das bewegende Theater- und Tanzstück „L’invitation au voyage“ in der Ecole seine Premiere gefeiert und grosses Lob geerntet hat, arbeitete die Truppe in diesem Trimester weiter daran. Ursprünglich Teil des Französischunterrichts, verfeinerte die Gruppe von Schülerinnen und Schülern unter der professionellen Begleitung der Lehrpersonen Meghan Deere, Karuna Richard und Alain Richard ihr Werk. Es sind die Rollen vertieft, die Dramaturgie zugespitzt und die Tanzeinlagen erweitert geworden.

Inspiriert wurden die Jugendlichen von dem Gedicht "L'invitation au voyage" von Charles Baudelaire. Mit ihrer Theater- und Tanzproduktion erzählen sie nun die Geschichte zweier Schwestern, die auf eine Reise gehen und damit auf die Suche nach einem paradiesischen Ort.

Auf Tournee

Die Aufführungen fanden
am 4. März 2017 um 19.30 Uhr an der Ecole;
am 10. März 2017 um 14.00 Uhr in der Kantonschule Alpenquai in Luzern; und
am 14. März 2017 um 14.00 Uhr im Gymnasium Kirschgarten in Basel statt.
Wer mehr über die Aufführungen erfahren möchten, kann sich direkt an uns wenden.

Eine schriftliche Kostprobe, vom Französischlehrer Alain Richard:

Brexit. The jungle in Calais. Irak. IS. Der Wahlkampf im mächtigsten Staat des Abendlands und sein Ergebnis. Gibt es auf dieser Welt einen Ort, wo „tout n’est qu’ordre et beauté, luxe, calme et volupté“ (alles ist Ordnung, Schönheit, Luxus, Frieden und Wohlbefinden) herrscht? So lautet der Refrain des Gedichts „L’invitation au voyage“ von Charles Baudelaire.

Der Startpunkt war das Baudelaire Gedicht, das wir alle auswendig - auf Französisch „par cœur“ - lernten. Aus den Einfällen, die wir hatten bezüglich des Gedichtes und auf Grund der Bewegungen - „par corps“ -, die wir dazu machten, entstand eine Geschichte:

Zwei Schwestern gehen auf die Suche nach diesem Ort „où tout n’est qu’ordre et beauté, luxe, calme et volupté“. Die zwei Mädchen begegnen auf ihrem Weg immer wieder Vagabundinnen und Vagabunden, die sie einladen, aus ihrer Komfortzone herauszutreten. Die Vagabunden tanzen, und die Schwestern, so wie auch andere Schauspielerinnen, sprechen meist Französisch, aber auch viele andere Sprachen unserer Welt: Russisch, Farsi, Arabisch, Nepalese, Spanisch, Italienisch, Englisch, Deutsch und natürlich auch Schwyzerdütsch. Dieses Stück feiert die Diversität, die Liebe und die Sinnlichkeit, aus welchen Sinn entsteht.

Es ist ein „cœur“ und „corps“ Stück, aufgeführt von 20 Schülerinnen und Schülern aus dem US- und Schweizer-System. Im März gehen wir mit einer „Export Version“ dieses Stücks auf Tournee. Auf Reise, sozusagen.

„Theater ist mein Mittel um am Freiheitsimpuls zu arbeiten“ - Livio Andreina

Im Rahmen der intensiven Vorbereitungen zum Stück, hat die Ecole den bekannten Theaterregisseur Livio Andreina für einen eintägigen Workshop auf den Hasliberg eingeladen. Mit seinen erprobten Körper-Stimme-Seele-Techniken hat er schnell alle Mitwirkenden der Produktion berührt. Von Lockerungs-und Einwärm-Übungen bis zu Theatralischerem wie Gegenstände weitergeben, ohne dass sie wirklich existieren, sich Geräusche und Töne „zuwerfen“, einander „packen“ mit Geräuschen, Blicken und Gesten.

„Gerade junge Menschen stellen sich die existentielle Frage: wer bin ich? Wie will ich sein? Wie werde ich ganz mich selber?“, sagt Livio, deshalb arbeite er auch besonders gerne mit Jugendlichen. Beim Theaterspielen gehe es darum, an menschlichen Beziehungen zu arbeiten, im Grunde stehe immer die Begegnung von Menschen im Zentrum: Hier sind wir – was tun wir nun miteinander? Wie drücken wir uns aus? Wie gestalten wir das WIR?

Passende Fragen für die Ecole d’Humanité, wo es täglich um das Zusammenleben, um Auseinandersetzung, Kooperation und Beziehung geht. Ich bin nicht, ohne Du – mir kann es nicht gut gehen, wenn es Dir schlecht geht. Je besser es allen geht, desto besser geht es mir selber – sind dabei die Erkenntnisse.

Im Theater drücke sich das so aus, sagt Livio: „Wir haben einen Vertrag mit dem Publikum. Unser Ziel ist, ihm Glücksmomente zu schenken. Dazu braucht es viel Arbeit – Theater ist 90% Arbeit.“ Und der Rest? „Anarchie!“ lacht Livio. „Sanfte Anarchie. Dafür plädiere ich!“

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