Syrien Andacht

Freitag, 12. Februar 2016

Text und Fotos von Sylvan Levin

Vor etwa fünf Jahren stand eines Tages plötzlich nach meinem Unterricht Jordan Hattar vor mir im Klassenraum. Er hatte die Schule in Kalifornien mit Abschluss der 9. Klasse verlassen und seit dem haben wir uns nicht mehr gesehen. Er berichtete, dass er gerade von einer Reise aus dem Süd-Sudan zurück sei, was zu jener Zeit noch kein eigenständiges Land war. Jordan hatte dort einen "Lost Boy" Flüchtlinge kennen gelernt und jener lud Jordan zu einer Erholungsreise in seine Heimat ein. Jordan hatte Geld aufgetrieben für die Reise selbst, aber auch für Sandalen und Moskitonetze, die vor Ort dringend gebraucht wurden. „Ich wollte dir sagen, dass ich in deinem Unterricht das erste Mal in meinem Leben überhaupt etwas vom „Sudan“ erfahren habe.“

Jordans Engagement bewegten mich sehr. Insbesondere, da seine humanitäre Arbeit stetig wuchs. Jordans befreundete Professorin für Arabische Sprachen an der Universität brach weinend zusammen, als sie erfuhr wie ihre Familie in Syrien litt. So reiste er in das benachbarte Jordanien, um von dort aus für syrische Flüchtlinge zu arbeiten. Er organisierte sich einen Presseausweis und besuchte das Flüchtlingslager Zaatari. Dort sprach er mit vielen Flüchtlingen und sie brauchten dringend stabilere Unterkünfte, die Wind und Wetter besser standhalten würden als die Zelte. Also trieb Jordan wieder Geld auf und kaufte für die Familien im Lager “Karavan”-ähnliche Häuser. Dann traf er sich mit Regierungsmitgliedern und UN-Vertretern, um die bürokratischen Hürden aus dem Weg zu räumen, die verhindern sollen, dass irgendetwas in das Lager hinein kommt.

Vor knapp einem Jahr und kurz nach seinem Universitätsabschluss, kam Jordan zurück an meine frühere Schule. Er sprach zu unseren Schülern der 9. Klasse über seine Flüchtlingsarbeit. Das war an seinem Geburtstag und er wurde stolze 22 Jahre alt. Zu dieser Zeit wusste er, dass ich in die Schweiz gehen würde. Er selbst plante auch über den “Teich” zu kommen, um in Cambridge seine Abschlussarbeit über Internationale Beziehungen zu beenden und er versprach, die Ecole zu besuchen.

Jordan kam vor zwei Wochen an den Hasliberg, um eine Andacht über seine Projekte zu halten. Er sprach von seiner Arbeit, und den vielen Frustrationen die damit verbunden sind. Sein Motto, niemals aufzugeben und seine Träume zu leben, berührte Schüler und Mitarbeiter gleichermassen und löste viele Gespräche aus. In seiner Präsentation sprach er mit Saria via Skype. Sie ist eine 19-jährige Syrierin, die fliehen musste und nun in einem Internat in Jordanien lebt. Sowohl Saria, als auch Jordan hatten dieselbe Botschaft für uns: “Folge deinem Herzen und zweifele nie an deiner Fähigkeit etwas verändern zu können. „

Mehr über Jordan findet ihr unter help4refugees.org

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