Frédéric Bächtolds Rede zur Amtsübergabe
in der Sommerfest-Schulgemeinde vom 20. Juni 2009

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Ich sprang 1975 in den Ecolefluss. 20 Jahre später wurde ich ins Leitungsteam "gefischt". In den 20 Jahren als Mitarbeiter hatte ich die verschiedenen Strömungen des Ecoleflusses kennen, schätzen und lesen gelernt. Die Kajakfahrer hier im Saal wissen, was es bedeutet, Strömungen im Wildwasser zu lesen.
Als ich mein Amt antrat, machte ich mir zum Thema Leitung Gedanken. Meine Idealvorstellung lautete: Leiten in der Ecole heisst nicht "Macht ausüben", sondern eine gemeinsame Vision haben, um miteinander sinnstiftende Ziele zu erreichen. Wie im Wildwasserfluss kommt es dabei darauf an, mit gut dosierten Paddelschlägen die Strömungen zu nutzen, die Kehrwasser, das sind die ruhigen Zonen hinter den Steinen, zum Innehalten anzusteuern - um von dort aus mit Weitblick vorauszuschauen, um eine gute Route zur Weiterfahrt durch die Stromschnellen zu finden. Unsere gemeinsame Vision, die Reformpädagogik von Paul und Edith Geheeb zeitgemäss, menschlich und professionell umzusetzen, hat mich, hat uns getragen! Es ist ein wunderbares Erbe, das uns anvertraut wurde.
Miteinander Ziele zu erreichen, gestaltete sich allerdings um einiges schwieriger als ich mir das vorgestellt hatte. Ich musste lernen mit Zielkonflikten umzugehen und dabei mutig, standhaft und vor allem wertschätzend zu bleiben.
Ja die Ecole ist ein wunderbares internationales Lerndorf, in dem wir alle voneinander und miteinander lernen. Dafür bin ich sehr dankbar! Danke liebe LeitungskollegInnen; Danke liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, grossen Dank an Euch KameradInnen (SchülerInnen), danke Euch Eltern und Vorstandsmitglieder für das geschenkte Vertrauen. Unsere Lernpartnerschaft weiss ich sehr zu schätzen!Bei manchen engen Flusspassagen war Durchhalten und Standhalten angesagt. Dass ich auch solche Phasen im Ganzen als positiv und sinnstiftend empfinden darf, verdanke ich zum grossen Teil der liebevollen und verständnisvollen Unterstützung von Fränzi, meiner Frau und auch der spontanen Lebendigkeit unserer Kinder. Tochter oder Sohn des Schulleiters zu sein, kann in einem gewissen Alter sehr mühsam und anstrengend sein. Ich freue mich, dass ihr auch dies so gut gemeistert habt. Danke Joël und Benjamin und vor allem Danke Fränzi.

12 Jahre, oder 3 x 4 Jahre Leitungsarbeit hatte ich mir vorgenommen: 4 Jahre zum einarbeiten, 4 Jahre zum gestalten und entwickeln, 4 Jahre zum verwurzeln. Jetzt sind es 14 Jahre geworden - und es ist gut so! Denn - mit Barbara und Ashley als Nachfolgern kann ich mit grosser Zuversicht loslassen. Ihr wisst aus eigener Erfahrung wie wertvoll und wunderbar unser Ecolefluss ist - ihr kennt seine besonderen Strömungen und bringt einen eigenen, persönlichen, zeitgemässen und menschlichen Paddelstil mit! Ihr habt mein volles Vertrauen!
Ich freue mich wieder mehr unterrichten zu dürfen und auf neue kreative Projekte, die auf dem Ecoleboden so gut wachsen können. Damit, liebe Barbara, übergebe ich dir gerne das Amt der Schulleitung für das deutschsprachige System der Ecole d'Humanité. Du bist nicht Wildwasserfahrerin, dafür erfahrene Salzwasser-Seglerin! Du kennst deshalb einen meinen Lieblings-Leitsätze aus eigener Erfahrung: We cannot command the winds - but we can set the sails. Es kommt weniger darauf an, woher der Wind weht - als wie wir die Segel setzen!
I wish you all fair winds.