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"Wer gegen Noten ist, ist nicht
gegen Anstrengung!..."
...sagt Otto Herz in einem vielbeachteten Artikel in der
Frankfurter Rundschau vom 22.11.97. Daran knüpfte Frédéric
Bächtold zur Eröffnung des Elterntages eine Reihe von Bemerkungen.
- Mit den meisten bedeutenden Pädagogen sind wir der
Meinung, dass Kinder lernen und etwas leisten wollen, und dass Noten diesen
Willen höchstens pervertieren, meistens aber lähmen.
- Dadurch, dass Noten Zahlen sind, erwecken sie den Anschein von
Exaktheit, von Objektivität, in Wahrheit führen sie zu einer
kollektiven Selbsttäuschung aller Beteiligter.
- Die Prognosen für den beruflichen Erfolg sind in der Regel
schlicht falsch.
- Meist bedeuten sie nicht viel mehr als ein Glücksspiel.
Nach Umfragen in Deutschland sind für ~ 82% der Betriebe,
Noten kein aussagekräftiges Instrument zur Auswahl ihrer Lehrlinge. Unsere
Erfahrungen mit Lehrbetrieben liegen sogar bei 90%. Wer gegen Noten ist, ist
nicht leistungsfeindlich. Das Gegenteil trifft zu.
Unsere Alternative: Die Dialogische
Leistungsbewertung.
- Differenzierte Rückmeldung in einer Atmosphäre der
persönlichen Wertschätzung.
- Selbstreflexion der SchülerInnen
LehrerInnen und SchülerInnen bilden eine
Leistungspartnerschaft. Wenn wir Heranwachsende zum
selbständigen, lebenslangen Lernen befähigen wollen, müssen wir
ihre Fähigkeiten zur Selbstbeurteilung fördern. Lehrkraft und
Lernende üben sich im Wahrnehmen der individuellen Leistung, beurteilen
sie aus ihrer jeweiligen Sichtweise und beraten gemeinsam die weiteren,
sinnstiftenden Lernschritte. Förderung statt Selektion ist unsere
Grundhaltung. Wir verzichten ganz bewusst auf die ständige
Fremdbeurteilung, die mit Ziffern oder Worten punktuelle, oft gänzlich
unwesentliche Momentaufnahmen festhält, und zur Selektion verwendet wird.
Das ständige "Auf dem Prüfstand Stehen" in der fragilen, aber
prägenden Zeit der Selbstfindung gefährdet das Selbstvertrauen und
korrumpiert den Leistungswillen. Im späteren Berufsleben finden wir dann
die Geschädigten: Gestresste Menschen, die ständig irgendwelche
äußeren Erwartungen zu erfüllen versuchen, die mit ihren
eigenen Motiven nichts zu tun haben. Wer gelernt hat, nur im äußeren
Prestigegewinn Zufriedenheit und eigene Wertschätzung zu finden, wird sich
immer mehr abverlangen und früher oder später an diesen Anforderungen
scheitern, wenn nicht gar ernsthaft erkranken. Darum gilt auch hier unser
Leitsatz:
Werde, der du bist.
Unter diesem Motto können Heranwachsende, Eltern
und LehrerInen eine positive Leistungspartnerschaft bilden. Im Bewusstsein,
dass die Jugendlichen mit zahlreichen Leistungserwartungen konfrontiert werden,
müssen alle Beteiligten eine gesunde Balance zwischen Fordern und
Fördern finden - Wir alle sind Lernende, mit dem Wunsch Lebensgestalter zu
werden. Und Lebensgestaltung heißt auch, Beziehungen zu gestalten. Mit
Ruth C. Cohns Worten: Es gibt keine Ich-Verwirklichung ohne Wir-Verwirklichung.
Hier liegt eine besondere Chance des Internats, denn in Beziehung treten zu
können, wird immer wichtiger. |