Gastunterricht an der Ecole
d'Humanité
Peter Buck
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Peter Buck, Professor für Chemie und ihre Didaktik in
Heidelberg, war eine Woche lang Gastlehrer in den Chemiekursen von KC Hill
(amerikanischer Zweig) und Christian Habluetzel (deutscher Zweig). Er hat bei
KC die "basic concepts of chemistry" thematisiert (zum Teil das bei KC Gelernte
wiederholend), um dann und mit ihrer Hilfe die chemischen Reaktionen in einem
Knallgasgenerator verstehen zu lehren versucht. (Verstehen
lehren ist ein Buchtitel von Martin Wagenschein). Christians Chemiekurs hat mit Peter Buck aus Joghurt-Deckeln Alaunkristalle hergestellt, diese Kristalle auf Steinen gezüchtet, ein Vorgang der die geologischen Kristallbildungen imitiert, und auch hier die gesamte Prozedur in allen Einzelheiten zu verstehen versucht und in diesem Zusammenhang auch die eindrückliche Rauch-Quarz-Grotte (Ausstellung) in Brünigen besucht. |
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Über seine Motive, eine Woche
lang in zwei Chemie-Kursen Gastlehrer zu sein, |
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«Vielleicht würde ein Motiv ja schon ausreichen
nach Goldern zu kommen: Das einzigartige Bergpanorama, weiß
bestäubt mit Schnee, und Luft, die man in Heidelberg nicht atmen kann.
Und ein zweites:
Einmal wieder selbst Schülerinnen und
Schüler zu unterrichten (das passiert in Heidelberg gelegentlich auch -
zuletzt im Februar mit Erstklässlern über Licht und Schatten - ich
wollte mit ihnen über den Johannes aus Wagenscheins 'kleinen Geschichten'
(M. Wagenschein: 'Kinder auf dem Weg zur Physik', Klett 1970, S. 62) sprechen,
der die Schattenentstehung "chemisch" sah: Die Sonne geht durch einen
durch und hinten kommt sie als Schatten wieder heraus. - Aber meine
Erstklässler wollten nicht reden, sondern selber mit dem Schatten
spielen.) - An der Ecole zu unterrichten bedeutet: sich ganz der Sache zuwenden
dürfen, dank einer gepflegten Lernkultur ohne disziplinarische
Ablenkung.
Die Sache selbst, das dritte Motiv
A) Wagenschein hat darüber nie publiziert, aber er hat darüber gesprochen und in Briefen geschrieben: Chemie läßt sich nicht in der Wagenscheinschen Art des genetischen Lehrens unterrichten - wenigstens nicht wenn man Chemie modern als die Wissenschaft vom Verstehen und Manipulieren der materiellen Welt in der molekularen Dimension (Frenking) auffasst. Stattdessen müsse man anders, regenerierend lehren und er verwendete dafür dieses Bild
(im Einzelnen abgedruckt in der Zeitschrift chimica didactica 22 (1996)
S. 347-363)
(| Siehe auch den ausführlichen
Heidelberger Beitrag von Peter Buck zum Thema | VD)
Wenn das so ist, kommt man nicht darum herum die Atome "ostentively" (Robin Millar), d.h. nicht genetisch, sondern belehrend zu lehren. Vor ungefähr 17 Jahren habe ich einen Zugang zu den Atomen über den Systembegriff vorgeschlagen. Aber selbst wenn mein Zugang inzwischen vielfach erprobt wurde und damit einen gewissen Reifegrad erreicht hat, sind alle dabei auftretenden Probleme noch keinesfalls bewältigt. (In der Hinsicht habe ich selbst dieses Jahr in Goldern einen Lernfortschritt gemacht: Es lohnt sich, ausführlich auf zwei grundverschiedene Arten des System-aufbrechens (= zerteilen -->atomizein) einzugehen.) Das von der amerkanischen Chemiegruppe Erarbeitete (Abbildung nachstehend) zeigt, dass bereits eine Gruppe von 9 Schülerinnen und Schülern ein vollständiges Ergebnis in gelungen prägnanter Formulierung zu erzielen vermag.

B) Wagenschein spricht auch von den "Inseln des Verstehens", in denen eine Sache gründlich betrachtet wird. Zwischen den Inseln verkehren die Hoovercrafts (meine Metapher) des systematischen Wissenserwerbs (vgl. auch Messner/Rumpf & Buck.in chimica didactica 23 (1997) S. 3-31). Auch für die Ecole gilt das: Auch sie bereitet auf Prüfungen vor, die systematisches, konventionell gelehrtes Wissen voraussetzen. Wenn ich daher als Gastlehrer komme, muß ich mich den gastgebenden Kursen anpassen, nicht umgekehrt. Ich muß mir daher etwas ausdenken, das im Rahmen des laufenden Kurses Sinn macht, will ich Verstehen aus eigener Kraft und mit Hilfe des im Kurs gelernten Wissens erproben. Auch in Christians Chemie-Kurs war Verstehen Lehren mein Motiv zu kommen. Dafür habe ich eine sehr exemplarische, echte chemische Reaktion (reine Laborsituation, kein Alltagsproblem) mittlerer Komplexität ausgesucht und als Schülerexperiment vorbereitet, an dem ich lernen kann, was Schülerinnen und Schüler verstehen - im Gespräch mit sokratischer Orientierung.»