Kleine Chronik der Leitbildentwicklung
Ecole dHumanité 1997 1999
Volker
Dembinski
Atem und Spannkraft diese Entwicklungsprozesses wird man wohl nur spüren, wenn man mit Genuss einen Aktenordner voller Protokolle durchstudiert und jemanden fragt, der dabei war. Eine summarische Zusammenfassung klänge etwa so:
In 25 Sitzungsstunden, die sich über ein gutes Jahr verteilen, erarbeiten Frédéric Bächtold - als Leiter des deutschsprachigen Schulsystems, Elmar Osswald - als bedeutender Schul- und Organisationsentwickler aus Basel und ich - als Tutor der Oberstufe, einen ersten Entwurf, der am 12.10.98 den MitarbeiterInnen, den interessierten Jugendlichen und Eltern in einem Hearing zur Diskussion vorgelegt wird. Gleichzeitig liegt dem Plenum ein Leitbildentwurf von Ruth C. Cohn vor die Kunde war zu ihr gedrungen und hatte sie dazu angeregt.
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Unser Entwurf steht treu in der Tradition, wie die Ecole beschrieben wird und wurde. Das wird auch anerkannt. Viele Formulierungen aber, das Erscheinungsbild, die Frage: Braucht die Ecole denn überhaupt ein Leitbild? und der Wunsch, sich zu einer Frage selbst zu äußern, die einen so hautnahe betrifft, führen dazu, dass sich eine spontan gebildete Hearing-Gruppe der Sache annimmt.
Sie besteht aus 17 Personen [Alain, Ernst, Frédéric, Géraldine, James, Joachim, Karin, Lela, Lindsay, Markus, Natalie, Philipp, Pidi, Susi, Ulli, Viola, Volker], trifft sich 3mal und kommt nach einer weiten Ausbreitung des Wesens der Schule (ca. 70 relevante Begriffszusammenhänge) zu einer Zusammenziehung auf fünf, recht unterschiedliche Entwürfe. Dabei realisiert die Gruppe aber insbesondere, dass die entscheidende Irritation während des Hearings von der Frage ausging, ob die Ecole denn wirklich ein Leitbild brauche.
Dieser Frage und einem entsprechenden Antrag der Schulleitung an die Konferenz ist das 2te Plenum mit Elmar gewidmet [10.11.98]. Nach gründlicher, bewegter Diskussion übergibt das Plenum mit 33 von 35 Stimmen einer Kerngruppe den offiziellen Auftrag, eine Leitbild zu erstellen. Gleichzeitig wird der Kerngruppe eine Echogruppe beigegeben, damit sie sich nicht zu weit vom Bewusstseinsstand der Schul-Öffentlichkeit entferne.
In der paritätisch aus Leitung, MitarbeiterInnen, Jugendlichen und Elternvertreter zusammengesetzten Gruppe wirken 9 [Addrich, Alain, Frédéric, James, Katherina, Kathleen, Ulli, Viola, Volker], in der Echogruppe 22 Personen mit [Fr. Schulz, Fr. Moser, Fr. Mauch, Fr. Gienger, Fr. Isernhagen, Lela, Philipp, Pidi, Sarah, Susi, Volker A, Marie-Anne, Markus, Natalie, Fränzi, Kohl-Eisenhauer, Marylin, Ernst, Jim, Joachim, KC].
In einer ersten Phase [18.01.-15.02.99; ~ 7Std] arbeitet die Kerngruppe unter dem Motto: Wir müssen uns nicht einigen, sondern wir wollen möglichst bald ein Echo.. Sie stellt einen Fächer aus 9 (!) Entwürfen zusammen, schreibt für jeden eine Begründung, die ihn als den einzig möglichen erscheinen lässt, und präsentiert das Ganze der Echogruppe zur Wahl (per Punkte kleben).
Durch und während des Echos muss die Kerngruppe erkennen, dass jenes Motto wohl ein Irrtum war, dass sie in sich uneins und dass die Form ihrer Entwürfe zu eckig ist.
Daraufhin beschließt sie, nochmals von vorne zu beginnen [22.02-02.05.99; ~ 12 Std.]. Sie breitet das Wesen der Ecole in ca. 130 relevanten Aussagen aus und teilt sich dann in eine Gruppe, die einen anschaulichen, bildhaften Entwurf machen, und in eine, die am Begrifflichen arbeiten will.
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Prompt enthält der anschauliche Entwurf [Idee: Addrich Mauch] dann viele Begriffe und der begriffliche [Idee: Frédéric Bächtold] findet die eingängigere Form des Rades (quasi eine Synthese mit Ruths Entwurf). Die beiden Untergruppen freuen sich an den gegenseitigen Ergebnissen und die wiedervereinigte Kerngruppe präsentiert sie der Echogruppe als erste und zweite Seite eines dreiseitigen Entwurfes, und schafft den Durchbruch.
In einem dritten Plenum [15.06.99] unter der Leitung von Elmar Osswald wird das Leitbild, das auf diesem Entwurf beruht, nach eingehender Diskussion in einer Abstimmungs-Runde (also nicht per Handaufheben, sondern durch individuelle Würdigung) gutgeheißen.
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Die Grafik der ersten Seite, deren jugendliche Frische und Leichtigkeit zunächst ein so positives Echo gefunden hatte, erliegt in der Folge schließlich der Vieldeutigkeit, die jedem Bild eigen ist. Selbst eine Überarbeitung durch Michael Binder löst schon in der Kerngruppe so viele verschiedene Reaktionen aus, dass wir mit Bedauern darauf verzichten und nun das Wort und das Symbol des Rades im Innern allein wirken lassen.